Wanderung durchs Gasterntal am 11.6.2026

Ab und zu bin ich hingerissen und völlig überwältigt von der Schönheit der Natur und staune. So viel Phantasie, so viel Liebe zum Detail, ein vollkommener Kreislauf des Lebens und Vergehens… Die Bibel weist auf den Urheber hin in Offb.15.3
Eine gewaltige, bizarr geformte Bergkulisse flankiert das Tal, kristallklares Wasser perlt über den Fels und sucht sich den Weg ins Tal und schliesslich in die Kander. Es bewässert die Talsohle und bildet Sumpfgebiete in Wiesen und, fast mangrovenartig, im Gehölz.
Es wachsen da Pflanzen, die Feuchtigkeit bevorzugen, wie die Trollblume, das gefleckte Knabenkraut und die Sumpfdotterblume.
Die Spannung ist gross: Ob wir wohl auch einen blühenden Frauenschuh entdecken werden? Ja, wir werden reichlich belohnt, denn diese prachtvolle Orchidee (die grösste, wildwachsende Europas) zeigt sich uns auf der ganzen Wanderroute überraschend häufig.
Entspannte, gepflegte Kühe weiden in Wiesen mit seltener Blumenvielfalt. Wie überdauern wohl diese filigranen, zarten Pflanzen wie Wiesensalbei, Skabiosa, „Rossnägeli“, Teufelskralle etc. den harten Winter, der hier ganz deutliche Spuren hinterlässt? Er bodigt und entwurzelt grosse, alte Bäume, mit unerbittlicher Gewalt. Davon zeugt das Totholz am Wegesrand, das sich die Natur ganz langsam wieder einverleibt, verwertet und Neues entstehen und wachsen lässt.
Im Feldstecher sehen wir einen Steinadler, Gemsen und Steinböcke, die die wärmende Sonne geniessen bei der Siesta.
Das Tal bleibt bei Gewitter, Starkregen und jeweils im Winter vom Mitte November bis Mitte Mai geschlossen.
Die Gegend ist wild-romantisch. Hier hat die Natur das Sagen und weist dem Menschen die Schranken.
Wir treffen uns kurz vor 8h an der WB- Station Hölstein Süd und fahren mit ÖV via Kandersteg mit dem Gasterbus auf abenteurlicher Route mit Einbahnverkehr nach Selde, der Endstation im Gasterntal. Dort machen wir uns zuerst auf die Suche nach dem Frauenschuh und sind hocherfreut, als wir die erste Pflanze in voller Blüte entdecken!
Unterwegs machen wir eine Picknickpause. Etwas später gehts weiter in guter Gesellschaft und wunderbarem Wetter.
Vor dem Abstieg nach Kandersteg kehren wir ein auf der Terrasse im gemütlichen Hotel Waldhaus und geniessen Kaffee/ Tee und Kuchen.
Neu gestärkt geht es weiter zur Bushaltestelle Kandersteg Sunnbüel wo uns der Bus zum Bahnhof bringt. Alles ist wunderbar organisiert von Raphael Hadorn, sodass wir kurz vor 20h, erfüllt mit vielen wunderbaren, unvergesslichen Eindrücken, Hölstein erreichen. Ich werde diesem Tag in schönster Erinnerung behalten…

Helena Reist